Vorwort


Miteinander spielen – gemeinsam entdecken – voneinander lernen!

Computerspiele sind ein wichtiger Bestandteil des Medienalltags von Kindern und Jugendlichen. Vielen Eltern fällt es allerdings oft schwer, die Faszinationskraft der digitalen Spielwelten nachzuvollziehen. Sie sind in der Regel mit (analogen) Massenmedien aufgewachsen und hatten häufig noch nicht die Gelegenheit grundlegende Handlungs- und damit Lernpraxen im Umgang mit den vielfältigen, inhaltlich komplexen und auch ästhetisch anspruchsvollen Computerspielen auszubilden. Zusätzlich erschwert werden das Verständnis und die Verständigung durch die häufig polarisierende Berichterstattung der Medien. Immer wieder wird das Computerspielen in simplifizierenden Erklärungen als Grund für Verhalten angeführt. Statt Heranwachsende in ihren Handlungsräumen ernst zu nehmen und einen Dialog zwischen den Generationen zu initiieren, bringt diese Berichterstattung das digitale Spielen oft in einen negativen Zusammenhang. Das kann Eltern verunsichern, auch diejenigen, die neugierig sind und erfahren möchten, was (ihre) Kinder am Spielen so reizt. Unwissenheit und Skepsis können so auch den Blick auf die mit dem Spielen verbundenen Lernpotenziale verstellen.

Der Pädagoge und leidenschaftliche Computerspieler Prof. Dr. Hartmut Warkus (1949 – 2011) verstand das Spiel als grundlegende, kulturelle Form menschliches Handelns und übertrug dies auch auf das Spielen mit dem Computer. Er sah die unbedingte Notwendigkeit, die Generationen im Spiel zu vereinen und somit Missverständnisse abzubauen und Medienkompetenz auf beiden Seiten zu fördern. Als Professor am Lehrstuhl für Medienpädagogik und Weiterbildung an der Universität Leipzig entwickelte er in seiner Lehre und in Projekten die Idee für eine ComputerSpielSchule Leipzig. 2008 rief er gemeinsam mit seinen MitarbeiterInnen und Studierenden das Modellprojekt der „ComputerSpielSchule Leipzig“ ins Leben.

Die Idee der ComputerSpielSchule ist es, NichtspielerInnen und SpielerInnen, in erster Linie Heranwachsende und Eltern bzw. pädagogisch Verantwortliche, in einem gemeinsamen Erfahrungsraum zusammenzuführen. Eltern können erfahren, dass das Spielen weitaus facettenreicher ist, als es so oft behauptet wird. Mit einer interessierten Haltung, Geduld und Einfühlungsvermögen haben sie die Chance, den Zugang der Heranwachsenden zu diesen Medien zu verstehen und entwicklungsförderliche Potenziale zu entdecken. Heranwachsende werden angestoßen inne zu halten, sich selbst und das Spielen aus den Augen ihrer Eltern oder LehrerInnen zu sehen und das inzwischen allzu Selbstverständliche auf seinen Sinn zu hinterfragen. Möglich ist dies, weil beide Seiten sich in einem gemeinsamen Raum begegnen und hierdurch veranlasst sind, sich in ihrem Handeln konstruktiv aufeinander zu beziehen.

Das Konzept der ComputerSpielSchule hat sich in Leipzig bewährt und so wurde 2012 in Greifswald, unter Leitung von Prof. Dr. Roland Rosenstock, eine zweite ComputerSpielSchule aufgebaut.

Ziel ist es nun, die Idee und das Konzept der ComputerSpielSchule weiterzutragen und somit eine Hilfestellung zum Aufbau weiterer ComputerSpielSchulen in ganz Deutschland zu geben. Dank des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war es möglich, das Modellprojekt ComputerSpielSchule in einem frei zugänglichen Online-Handbuch so aufzubereiten, dass nun Interessierte bundesweit weitere ComputerSpielSchulen aufbauen können.

Das modular aufgebaute Handbuch erklärt didaktisch anschaulich und verständlich alle notwendigen Anforderungen für den Aufbau einer ComputerSpielSchule - mit Anleitungen für organisatorische, infrastrukturelle und medienpädagogische Tätigkeitsbereiche. Als „Leitfaden“ steht er allen offen, die eine weitere Niederlassung der ComputerSpielSchule gründen möchten, aber auch weiteren Interessierten, die sich mit dem Thema Computerspiele aus (medien-)pädagogischer Sicht auseinandersetzen wollen.

Die Wiki-Struktur ermöglicht einen individuellen Einstieg in das Online-Handbuch und kann somit linear oder auch kapitelweise, je nach Interessenslage, gelesen werden. Verlinkungen innerhalb der Kapitel und übersichtliche Informationskästen zu wichtigen Begrifflichkeiten sollen den LeserInnen einen guten Überblick verschaffen und Hilfestellungen geben.

Wir, die Herausgeberinnen und AutorInnen, stehen Ihnen mit unserer Erfahrung und Expertise gern auch weiterführend zur Seite.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und vor allem Schaffenskraft bei der Gründung einer weiteren ComputerSpielSchule!

Sandra Fleischer, Claudia Philipp, und Stefanie Krauel