6.1 Standort

AutorInnen: Claudia Philipp, Judith Hoffmeier, Johannes Pelka

Standort

Die Wahl des Standortes einer ComputerSpielSchule sollte sich an der Erreichbarkeit der gewünschten Zielgruppe orientieren. Im Sinne der Niederschwelligkeit des Angebotes sollte der Standort so gewählt werden, dass Interessierte leicht angetroffen bzw. angesprochen werden können. Für die ComputerSpielSchule Leipzig hat sich der Standort „Schule" bewährt. Hier erreicht man SchülerInnen, Lehrende und Eltern besonders leicht. Die Anbindung an eine Schule vermittelt den potenziellen BesucherInnen anerkannte und gewohnte Strukturen, wie beispielsweise den Grundsatz des Lehrens und Lernens. Auch feste Regeln und Öffnungszeiten sind gewohnte Strukturen und erleichtern besonders den oftmals kritischeren Eltern den Zugang. Ein weiterer Vorteil dieses Standortes liegt darin, dass man oftmals mit den Lehrerenden ins Gespräch kommt und sie dieses Angebot auch in ihren Unterricht mit einbinden können. Allerdings muss man sich bei dieser Standortwahl auch verschiedenen Herausforderungen stellen: unter anderem den festen Öffnungszeiten der Schule und der öffentlichen Wahrnehmung, dass man nur ein Angebot für diese bestimmte Schule ist. Daher muss immer wieder deutlich kommuniziert werden, dass die ComputerSpielSchule für alle Zielgruppen und andere Schulen in der Umgebung zur Verfügung steht. Andere (öffentliche) Standorte bieten allerdings vergleichbare Vorteile und ermöglichen einen leichten Zugang zu Familien und pädagogisch Verantwortlichen. Als weiteres Beispiel ist der Standort der ComputerSpielSchule Greifswald zu nennen, die in einer Bibliothek angesiedelt ist. Auch hier ist die Erreichbarkeit von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern einfacher und auch die Akzeptanz dieses Angebotes ist auf Grund der Anbindung an die Bibliothek besonders hoch. Weitere mögliche Standorte sind beispielsweise Jugendclubs, soziokulturelle Zentren oder Bürgerbüros.

Räumlichkeiten - Einrichtung und Gestaltung

Im optimalen Fall verfügt eine ComputerSpielSchule über mindestens zwei Räume, die für das Spielen genutzt werden, einen Empfangsbereich mit Garderobe und ein Büro. Durch eine günstige Raumgestaltung und Abgrenzungsmöglichkeiten lassen sich all diese Bereiche allerdings auch gut in einem ausreichend großen Raum realisieren. Zwei Spielräume ermöglichen es wiederum, Ruhe zu schaffen, wenn es nötig ist, zum Beispiel, weil eine Gruppe Kinder an der Konsoleninsel spielt und zugleich ein intensives Gespräch stattfindet. Aber auch aus Gründen des Jugendschutzes bietet es Vorteile, da man auf diese Weise verschiedene Altersgruppen gleichzeitig bedienen kann. So können Familien mit jüngeren Kindern zusammen in einem Raum an einer großen Spieleinsel spielen, während in dem anderen Raum Jugendliche Spiele mit einer Altersfreigabe „Freigegeben ab 12 Jahren“ und aufwärts spielen können. Wobei hier darauf geachtet werden muss, dass keine Spiele auf einer Konsole laufen, die ab einem bestimmten Alter freigegeben sind, während sich ein jüngeres Kind ebenfalls im Raum befindet. Die Computer oder Laptops sollten als „Spieleinseln" angelegt werden, das heißt, die Tische stehen einander gegenüber oder sind kreisförmig angeordnet, damit sich die Spielenden gegenseitig anschauen können. Außerdem sollten pro PC-Platz zwei Stühle bereit stehen, damit zusammengespielt werden kann und sich Begleitpersonen bzw. die MitarbeiterInnen neben die Spielenden setzen können. Die Konsoleninseln sollten so gestaltet werden, dass bis zu vier Personen davor sitzen bzw. stehen können. Die Möglichkeiten der neuen Konsolengenerationen (Wii, Kinect etc.) erfordern außerdem genügend Bewegungsfreiraum zum Spielen. Für die Konsoleninseln bietet es sich an, unter einem fest angebrachten Bildschirm bzw. Fernseher ein Regal zu platzieren, um die Konsole und dazugehörige Kabel platzsparend und ordentlich zu verstauen. Dies dient sowohl der Ordnung als auch der Unfallverhütung, indem man Stolperfallen wie Kabel usw. aus dem Weg räumt. Für die Handhelds sollte ebenfalls eine Ecke eingerichtet werden, die gemütlich gestaltet werden kann, beispielsweise mit einem Sofa, Sitzsäcken oder Sitzhockern. Als Empfangsbereich hat sich in der ComputerSpielSchule ein kleiner Tresen etabliert, der den Besucherteil vom Bürobereich abgrenzt. Auf dem Tresen steht der Anmeldelaptop (siehe Abschnitt „Technische Ausstattung“) und die Spielelisten (Bild) liegen aus, die den nötigen Einblick in das Spieleangebot bieten. Außerdem finden sich in Sichtweite die Hausregeln und eine Garderobe. Die Garderobe bzw. eine Möglichkeit, um Jacken und Taschen abzulegen, bietet sich an, um in den Räumlichkeiten der ComputerSpielSchule Ordnung zu halten und Stolpergefahren zu minimieren. Im Büro befinden sich die verschließbaren Schränke für die Hard- und Software. Diese sollten außerhalb der Reichweite der BesucherInnen liegen. In der ComputerSpielSchule Leipzig gibt es jeweils getrennte Schränke für die Hardware (Konsolen, Handhelds, Zubehör) und für die Spiele (geordnet nach Konsolenart- bzw. Handheld und PC-Spiele). Für eine bessere Übersicht und Strukturierung bietet es sich an, alle Spiele zunächst nach ihrer Plattform zu ordnen – also PC, Konsole, Handheld - und darüber hinaus ein Sortiersystem zu entwerfen, mit dem es sich schnell und effektiv arbeiten lässt. Eine alphabetische Ordnung wäre möglich, aber auch eine Ordnung nach Erscheinungsdatum ist denkbar. Dafür sollten alle verfügbaren Spiele der ComputerSpielSchule nummeriert bzw. gekennzeichnet werden, um sie in eine Ordnungsdatenbank einpflegen zu können. Die bereits erwähnten Spielelisten haben sich im Alltag der ComputerSpielSchule Leipzig bewährt. Für alle verfügbaren Konsolen, Handhelds und PCs gibt es solche Listen. Darin werden alle Spiele, die es in der ComputerSpielSchule gibt, zunächst nach den Altersstufen der USK aufgeführt. Außerdem sind die Spiele dann noch nach Genre sortiert und mit einem Bild und einer kurzen Inhaltsangabe versehen. Diese Spielelisten sollten regelmäßig aktualisiert werden (immer dann, wenn eine größere Anzahl neuer Spiele zur Verfügung stehen). Eine digitale Variante dieser Spieleliste ist ebenfalls möglich und leichter aktuell zu halten. Diese digitalen Listen könnten dann an allen Rechnern bzw. Laptops eingesehen werden.

Technische Ausstattung

In der ComputerSpielSchule sollten ausreichend aktuelle PCs und Konsolen vorhanden sein. Die Anzahl orientiert sich an der Größe der Räumlichkeiten und den Möglichkeiten zur Beschaffung der technischen Ausstattung. Als Alternative zu festen PC-Plätzen können Laptops, zum Beispiel im Fall einer Mehrfachnutzung der ComputerSpielSchul-Räume, angeschafft werden. So gestalten sich der Auf- und Abbau der Technik leichter und flexibler. Im Idealfall verfügt eine ComputerSpielSchule über alle auf dem Markt üblichen Konsolen. Mindestens zwei Konsoleninseln sollten eingerichtet werden, das heißt, dass es auch entsprechend zwei Bildschirme (bzw. Fernseher) gibt. Je mehr Bildschirme bzw. Fernsehgeräte zur Verfügung stehen, desto umfangreicher können Konsolen angeboten werden, vorausgesetzt die räumlichen Kapazitäten sind entsprechend vorhanden. Die Erfahrungen in der ComputerSpielSchule Leipzig haben gezeigt, dass es sinnvoll ist, beliebte und oft gespielte Spiele auf den PCs bzw. Laptops installiert zu haben. So können Wartezeiten, die sich mit der Spielinstallation ergeben, vermieden werden. In der ComputerSpielSchule Leipzig gibt es zudem eine Liste (diese sollte immer aktuell gehalten werden), in der jeder PC mit den bereits installierten Spielen aufgeführt ist. So können BesucherInnen direkt an einen passenden PC geführt bzw. kann Zeit gespart werden. Nicht an jedem verfügbaren Rechner müssen die gleichen Spiele installiert sein, ein Querschnitt der beliebtesten Spiele bietet sich an. Ein ebenfalls der Erfahrung geschuldeter Hinweis ist das Nutzen von Passwörtern und getrennten Benutzerkonten für die Rechner und Laptops. Möglich wären verschiedene Benutzer-Zugänge je nach Altersstufe (orientiert an den USK-Altersstufen). Passwörter verhindern den ungewollten Zugang zu den Rechnern und sollten in regelmäßigen Abständen geändert werden. Im Zuge der technischen Neuerungen sollte es in der ComputerSpielSchule auch Tablet-PCs geben, um auch Spiele-Apps anbieten zu können. Auch für das Büro sollte es Extra-Rechner geben - unter anderem zur Recherche und Datenbankpflege. Ein zusätzlicher Rechner bzw. Laptop sollte als Anmeldelaptop verwendet werden. Auf diesem Rechner werden die BesucherInnen statistisch erfasst (Alter, Begleitung, gespielte Spiele, Dauer des Besuchs usw.). Diese statistische Erhebung hat sich in der ComputerSpielSchule Leipzig bewährt und hilft unter anderem dabei, Spiele-Favoriten zu ermitteln und Besuchszeiten auszuwerten (zu welchen Zeiten kommen besonders viele Familien; zu welchen besonderen Events kommen diese, etc.). Daneben können diese Daten auch für mögliche Forschungsvorhaben als Ausgangsmaterial dienen. Wobei diese Daten selbstverständlich streng vertraulich behandelt und nur anonymisiert weiter verarbeitet werden. Bei der technischen Ausstattung der ComputerSpielSchule ist auch auf eine optimale Stromversorgung zu achten. Auch die Internetversorgung sollte den Anforderungen entsprechen. Dabei ist zu bedenken, dass viele PC Spiele eine permanente Internetverbindung erfordern.

Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten der ComputerSpielSchule sollten fest sein und für alle BesucherInnen und Interessenten sichtbar am Eingang zu den Räumlichkeiten der ComputerSpielSchule angebracht sein. Öffnungszeiten am Vormittag sind eher ungünstig, da Kinder und Heranwachsende dann üblicherweise in der Schule sind. Als optimale Zeitspanne haben sich Öffnungszeiten ab 14 Uhr bis 18 Uhr oder 19 Uhr erwiesen. Abendessen, gemeinsame Familienzeit und Hausaufgaben sollten bei der Planung der Öffnungszeiten bedacht werden bzw. sind die häufigsten Gründe, warum sich in der ComputerSpielSchule Leipzig längere Öffnungszeiten nicht gelohnt haben. Mindestens ein Wochentag sollte als Ruhetag geplant werden. Dieser Tag könnte dann für Organisatorisches genutzt werden, wie zum Beispiel die Aktualisierung der Spielelisten und Datenbanken oder für die Technikwartung. Alternativ dazu kann dieser Ruhetag auch Extra- oder Sonderveranstaltungen vorbehalten bleiben. Öffnungszeiten am Wochenende sind durchaus eine Option, sofern es personell möglich ist und der Standort dies ermöglicht. Der Standort Schule gestattet Öffnungszeiten am Wochenende eher nicht. Sonderöffnungszeiten in den Schulferien beispielsweise bieten sich an; dann auch am Vormittag oder länger am Abend. Diese Sonderöffnungszeiten sollten dann rechtzeitig kommuniziert werden (z.B. auf der Internetseite).

Regeln in der ComputerSpielSchule

In der ComputerSpielSchule Leipzig wurden von Beginn wichtige Regeln formuliert, die für ein optimales Spielerlebnis und gemeinsames Miteinander Voraussetzung sind. Neben klassischen Regeln, wie der Benutzung der Garderobe, dem Verbot von Essen und Trinken an den Spieleinseln und von Beschimpfungen wurden weitere Verhaltensregeln definiert. So kann maximal zwei Stunden am Tag gespielt werden, der Jugendmedienschutz muss eingehalten werden, die Auswahl der Spiele erfolgt gemeinsam mit den Betreuenden und nicht eigenständig, indem die Spiele selbständig aus den Schränken genommen werden dürfen. Und da Kinder oft dazu neigen, in kürzester Zeit so viele Spiele wie möglich spielen zu wollen, wurde beschlossen, dass nicht zu oft gewechselt werden darf, da es sonst technische Schwierigkeiten geben kann. Damit sollen Kinder und Jugendliche auch dazu befähigt werden, sich Herausforderungen und Problemen in einem Spiel zu stellen und Ausdauer zu entwickeln. Die begrenzte Spieldauer auf zwei Stunden dient als Orientierung und oberste Grenze. Der Besuch der ComputerSpielSchule wird hierbei als Ganzes betrachtet, womit auch Spielauswahl und gemeinsame Gespräche (mit Eltern, anderen Spielenden und den MitarbeiterInnen) eingeschlossen sind. Außerdem möchte die ComputerSpielSchule die Möglichkeit bieten, Spiele tatsächlich auszuprobieren und kennenzulernen. Besonders unter Berücksichtig der zum Teil komplexen Spielwelten und Handlungen sind zwei Stunden angemessen. Zudem haben unsere Erfahrungen gezeigt, dass die Besuche meist nicht als Routine stattfinden, sondern als Besonderheit gesehen werden.

"Hausordnung der ComputerSpielSchule"

  • Garderobe nutzen
  • kein Essen oder Trinken an den Rechnern bzw. Konsolen
  • Spielzeit ist begrenzt (2 Stunden)
  • Spiele und Technik werden von den Spielenden nicht allein aus den Schränken genommen
  • alle halten sich an die Regeln des Jugendmedienschutzes
  • Eltern, Großeltern sind ausdrücklich erwünscht
  • keine Beschimpfungen etc.
  • feste Öffnungszeiten beachten
  • Spiele nicht zu oft tauschen
  • Lautstärke bzw. Lärmpegel beachten

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