Plattformen

Autor: Johannes Pelka

Plattformen

Um sich einen Überblick zu verschaffen, wie heute konkret gespielt wird, ist eine umfassende Kenntnis der gängigsten Spieleplattformen hilfreich. Nicht jedes Spiel erscheint auch für jede Plattform und um einen PC in Betrieb zu nehmen, müssen andere Bedingungen geschaffen werden als wenn eine Nintendo Wii an den Fernseher angeschlossen werden soll. Es ist also wichtig, sich bei Eröffnung einer ComputerSpielSchule vorab über technische Notwendigkeiten Gedanken zu machen. Als Teil der Dimension „Medienwissen“ dient eine Aufzählung und Beschreibung der Spieleplattformen dem Überblick über die Hardware, welche für den Erfolg einer ComputerSpielSchule bereitgestellt werden sollte. Eine Aufstellung der gängigen Systeme lässt sich auf mehreren Definitionsebenen formulieren. Gerade seit den letzten Jahren spielen immer mehr Menschen unterwegs, meist mit dem Smartphone. Auf einer ersten Ebene wird zwischen stationären und mobilen Endgeräten unterschieden. In der zweiten Ebene wird nach den HerstellerInnen der Systeme unterteilt. Darauf aufbauend werden die unterschiedlichen Systeme hier kurz beschrieben. Damit die Übersicht nicht zu umfangreich wird, werden nur diejenigen Geräte aufgezählt, die 2014 noch ganz normal im Handel gekauft werden können.

Stationäre Spieleplattformen

PC

Der Personal Computer ist von den heute genutzten Spieleplattformen die älteste und bietet die meisten Anwendungsmöglichkeiten (Textverarbeitung, Surfen, Bildbearbeitung etc.). Die meisten Spiele werden mit Tastatur und Maus gesteuert, allerdings lassen sich auch die von den Konsolen bekannten Gamepads via USB anschließen. Durch die komplexen Steuerungsmöglichkeiten über die Tastatur sind auf dem PC immer noch bestimmte Genres und Spiele exklusiv: Aufbaustrategiespiele wie zum Beispiel die Anno-Serie erscheinen ausschließlich auf dem PC. Daneben sind vor allem komplexe Simulationsspiele nur auf dem PC denkbar: Um alle Funktionen eines Flugzeugs abbilden zu können, bedarf es zum Beispiel nahezu aller Tasten auf einer Computertastatur. Die im Vergleich zu Konsolen offenere Struktur des PCs erlaubt es, einzelne Systemkomponenten wie die Grafikkarte oder Festplatte auszutauschen und den Hardwareanforderungen des Spiels entsprechend aufzurüsten. Ebenfalls ist das Betriebssystem entscheidend für die Möglichkeit, Spiele zu starten. Windows bietet hierbei die größtmögliche Vielfalt; das frei verfügbare Betriebssystem Linux sowie Mac Os X von Apple schränken die Möglichkeiten noch ein. Bis in die Mitte der 90er Jahre sind Computerspiele zumeist noch auf Disketten mit wenig Speicherplatz erschienen. CDs und später DVDs boten ein Vielfaches an Speicherkapazität; mit ihnen sind komplexe dreidimensionale Spiele mit umfangreicher Sprachausgabe möglich. Allen diesen Speichermedien ist jedoch gemein, dass sie leicht vervielfältigt werden können, weshalb Spiele oft an ein Onlinekonto gebunden sind: Die Spieldateien müssen über eine Internetverbindung bei jedem Spielstart online verifiziert werden. Der Einfachheit halber werden Laptops in diesem Beitrag nicht gesondert behandelt, sie stellen die mobile Variante des PCs dar.

Konsolen

Konsolen sind bedingt durch ihre Bauweise nur in geringem Maße aufrüstbar. Daher sind sie meist nur für eine gewisse Zeit kommerziell erfolgreich und werden oft von einem leistungsfähigeren Nachfolger abgelöst. Im Jahr 2014 teilt sich der stationäre Konsolenmarkt unter drei Hardwareherstellern auf. Microsoft, Nintendo und Sony sind derzeit noch mit jeweils zwei Konsolen vertreten, die im Folgenden kurz beschrieben werden sollen:

Nintendo

Wii
Die Nintendo Wii erschien am 08.12.2006 in Europa. Durch das neuartige und für die BenutzerInnen attraktive Konzept, Spiele über eine Bewegungserkennung des Controllers zu steuern, war sie in Deutschland zunächst schnell ausverkauft. Im Nachinein betrachtet hat die Wii für den Spielemarkt Beachtliches geleistet. Der seinerzeit unkonventionelle Ansatz erschloss neue KäuferInnenschichten: Auch Menschen, die mit der Bedienung durch klassische Controller überfordert waren, kamen z.B. beim „Bowling“ durch die direkte Steuerung leichter ins Spiel: Der Controller wurde wie eine Bowlingkugel nach hinten und wieder nach vorne geschwungen, die Spielfigur auf dem Bildschirm ahmte diese Bewegung nach, letztlich verließ die Bowlingkugel auf dem Bildschirm die Hand der Spielfigur. Durch den leichten, weil direkteren Zugang kamen erstmals auch Menschen mit Computerspielen in Berührung, die zuvor gar nicht gespielt hatten. Die Funktionsweise dieses Systems funktioniert dabei folgendermaßen: Die Bewegungen der SpielerInnen mit dem Controller werden über eine Sensorleiste am Fernsehgerät erkannt, die Spielfigur setzt diese Bewegungen dann im Spiel um. Mit über 100 Millionen verkauften Geräten ist die Wii die verbreiteste stationäre Konsole, welche 2014 noch im Handel verfügbar ist. Sie spricht mit ihrem breiten Spieleangebot vor allem auch Familien an, da viele Spiele für mehrere SpielerInnen gleichzeitig geeignet sind und Nintendo selbst fast ausschließlich Spiele veröffentlicht, die eine USK-6 oder USK-0 Freigabe erhalten. Die Erfahrungen aus Workshops und den Öffnungszeiten der ComputerSpielSchule zeigen, dass die Wii vielseitig einsetzbar ist und gerade bei der jüngeren Generation gut ankommt. Als einzige Konsole verfügt sie jedoch über keinen HDMI-Ausgang und wird über ein RGB- oder Scartkabel mit dem Fernseher verbunden, die Grafik ist also nicht so hochauflösend wie bei den anderen Konsolen und am PC. PC-Monitore verfügen selten über eine Anschlussmöglichkeit für diese älteren PAL-Videoformate, für den Anschluss ist also ein Fernsehgerät erforderlich.

Wii U
Der Nachfolger der Nintendo Wii erschien Ende 2012 in Deutschland und versuchte mit einem abermals neuartigen Steuerungskonzept die SpielerInnen für sich zu gewinnen. Neben der vom Vorgänger bekannten Bewegungssteuerung ist der Konsole ein Tablet zur Seite gestellt, auf dem mittels Touchscreen neue Möglichkeiten der Spielerfahrung möglich sind: Beim Spiel Nintendo Land gibt es einen Spielmodus „Fangen“, bei dem ein/e SpielerIn auf dem Tablet das gesamte Spielfeld inklusive aller SpielerInnen sieht und drei Minuten vor diesen davonlaufen muss, um zu gewinnen. Die anderen Spieler sehen auf dem Fernseher jeweils nur ihre eigene Spielfigur und damit einhergehend einen kleinen Ausschnitt der Karte. Obwohl die Konsole dem Trend zum Tablet folgt, verkaufte sich die Konsole allerdings nicht so erfolgreich wie erwartet, was zu einem rapiden Preisverfall führte und so auch positive Aspekte mit sich bringt: Von den Konsolen der achten Generation ist die Wii U einerseits die Günstigste und bietet zudem durch den zeitlichen Vorsprung die umfangreichste Spielebibliothek. Auch hier finden sich überdurchschnittlich viele familienfreundliche Spiele mit einer niedrigen Altersfreigabe im Angebot, im sogenannten "Miiverse" können sich die SpielerInnen miteinander vernetzen und Erfahrungen austauschen.

Microsoft

Xbox 360
Microsofts zweite Konsole (nach der XBox) erschien Ende 2005 in Europa und wurde weltweit mehr als 80 Millionen Mal verkauft. Bemerkenswert ist an diesen Verkaufszahlen, dass in Japan lediglich knapp über 1,5 Millionen Einheiten verkauft wurden. Als Konsole einer amerikanischen Herstellerfirma wurde das Gerät in Japan nicht so gut angenommen wie die der japanischen Firmen Sony und Nintendo. Mit der Kinect brachte Microsoft eine Hardwareerweiterung auf den Markt, mit der es für die SpielerInnen möglich war, den eigenen Körper als Steuerungselement ins Spiel zu bringen. Über zwei Kameras werden die Spielenden dreidimensional erfasst und die Bewegungen ins Spiel übertragen. Im Gegensatz zur Nintendo Wii ist dabei kein zusätzlicher Controller nötig. Um zusätzliche Onlinefunktionen der Xbox 360 nutzen zu können, ist ein Abonnement erforderlich, das unter anderem über Guthaben-Karten bezahlt werden kann. So können Filmdienste wie „Amazon Prime Instant Video“ oder „Netflix“ über die Konsole genutzt werden. Zudem ist diese sogenannte „XBox Live Gold“ Mitgliedschaft erforderlich, um online mit anderen SpielerInnen spielen zu können

XBox One
Die Nachfolgerin der XBox 360 erschien in Deutschland am 22.11.2013. Verbesserte technische Komponenten erlauben Spiele mit höherer grafischer Qualität. Dazu sind die Onlinefunktionen der Konsole weiter ausgebaut worden. Es ist möglich, Spielsequenzen direkt über die Konsole aufzunehmen und im Internet zu veröffentlichen. Der Konsole liegt eine neue Version der Kinect-Kamera bei, welche mit höherer Auflösung noch genauere Aufnahmen ermöglicht und die Bewegungen der SpielerInnen vor dem TV-Gerät exakter im Spiel umsetzen kann. Vor Veröffentlichung der Konsole war der Anschluss des Kinect-Systems als zwingend erforderlich angedacht. DatenschützerInnen waren besorgt, dass die BenutzerInnen so ständig von der Kamera gefilmt werden könnten. Microsoft ermöglichte in der Folge den Betrieb der Xbox One auch ohne Kinect.

Sony

PS3
Die Sony PlayStation 3 erschien Anfang 2007 in Europa und verkaufte sich seitdem weltweit etwa 80 Millionen Mal. Wie schon bei den beiden Vorgängermodellen kommen Spiele hauptsächlich auf optischen Datenträgern (hier: BluRay) in den Handel. Aber auch online können Spiele gekauft und heruntergeladen werden. Der Controller der PlayStation 3 verfügt über eine Technologie namens „SixAxis“, mit der Neigungen des Controllers erkannt werden können. So steuern die SpielerInnen im Spiel Flower die Flugrichtung des Windes über das Neigen des Controllers in die entsprechende Richtung. Mit dem zusätzlichen Steuerungskonzept „PlayStation Move“ können ähnlich wie bei der Nintendo Wii die Bewegungen der SpielerInnen im Raum erkannt und ins Spiel umgesetzt werden. Durch eine Kamera am Fernsehgerät wird dabei die Genauigkeit der Abfrage erhöht, da sie die Bewegungen zusätzlich abfilmt. Im „PlayStation Network“ können SpielerInnen sich vernetzen und mit- und gegeneinander spielen. Hierfür ist die Erstellung eines BenutzerInnenkontos zwingend erforderlich. Im Gegensatz zu „XBox Live Gold“ von Microsoft ist das „PlayStation Network“ allerdings kostenlos.

PS4
Die PlayStation 4 erschien in Deutschland am 29.11.2013 und damit kurz nach der XBox One. Sony konnte in der Anfangszeit die hohe Nachfrage nicht decken, die PlayStation 4 war vielerorts ausverkauft. Der Controller verfügt über dieselben Funktionen wie der Controller der Vorgängerkonsole. Zusätzlich befindet sich ein Touchscreen auf der Oberseite, sowie eine zusätzliche „Share“-Taste, mit der Spielsequenzen aufgezeichnet werden können. Ähnlich wie bei der Xbox One können die SpielerInnen dadurch eigene Spielszenen online veröffentlichen. Mittels der Technologie „Remote Play“ können die Spiele der PlayStation 4 auch über die mobile Konsole PlayStation Vita gespielt werden, die Spiele werden über WLAN an das mobile Endgerät gesendet. Durch den Kauf der japanischen Firma „Gaikai“ hält sich Sony die Option offen, zukünftig auch Spiele über das „Cloud Gaming“ anzubieten.

Mobile Spieleplattformen

Tablet / Mobiltelefon

Tablets und Mobiltelefone sind durch ihre kompakte Bauweise besonders für mobiles Spielen geeignet. Neben Apps wie zum Beispiel Karten- oder Kalenderprogrammen können auch Spiele gekauft werden. Bedingt durch die Touchbedienung fallen Steuerungskonzepte anders aus als auf dem PC oder Konsolen. Umsetzungen von Computerspielen für Tablets müssen daher angepasst werden. So finden sich oft an den Rändern der Touchscreens entsprechende Bereiche, die das Steuerkreuz und die Aktionsknöpfe von Controllern nachbilden. Durch die ausschließliche Touch-Steuerung sind aber auch vollkommen andere Spielkonzepte möglich, die explizit auf die Berührungssteuerung ausgelegt sind. Spiele werden nicht auf einem Datenträger ausgeliefert, die SpielerInnen müssen ihre Käufe im Online-Shop der jeweiligen AnbieterInnen tätigen.

Nintendo 3DS

Der Nachfolger zum kommerziell erfolgreichen Nintendo DS verfügt abermals über zwei Bildschirme, von denen der untere berührungsempfindlich ist und der obere dreidimensionale Bilder darstellen kann. Die 3D-Funktion lässt sich mit einem Schieberegler den individuellen Vorlieben entsprechend anpassen. Der Nintendo 3DS lässt sich zusammenklappen und schützt so die beiden Bildschirme vor Kratzern und Schmutz. Neben dem unteren Bildschirm befinden sich links das Steuerkreuz sowie rechts die Aktionsknöpfe. Durch die kleinere Bauweise sehen die Spiele grafisch nicht so brillant aus wie auf den stationären Konsolen oder am PC, dafür sind die mobilen Konsolen billiger. Zudem können Spiele des Vorgängers Nintendo DS ebenfalls abgespielt werden. Seit 2013 gibt es eine günstigere Variante, die keine 3D-Funktion beinhaltet, ansonsten technisch aber gleich ist.

PlayStation Vita

Die mobile Konsole von Sony besitzt ein hochauflösendes, berührungsempfindliches Display. Auf der Rückseite der Konsole befindet sich ebenfalls ein Bereich, der auf Berührung reagiert. Über den Zugang zum „PlayStation Network“ können Spiele auch digital gekauft werden. Mit der Funktion „Remote Play“ können Spiele der Playstation 4 auch über den Bildschirm der PlayStation Vita gespielt werden.

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Quellen /weiterführende Literatur