Langfristige Ebene

Autor: Falk Dietrich

Nachfolgend werden Beispiele zur Qualitätssicherung und -entwicklung beschrieben, die sich langfristig (strategisch) auf die grundsätzliche Arbeit in der ComputerSpielSchule Leipzig beziehen. Primär beinhaltet dies die Erstellung und Überarbeitung von Konzepten, die in der nachfolgenden mittel- und kurzfristigen Ebene durch konkrete Aktionen umgesetzt werden.

Es werden Strategie-Workshops und Weiterbildungen für MitarbeiterInnen sowie die Zusammenarbeit mit Lehre und Forschung beschrieben.

Strategie-Workshops

In einem Abstand von ca. zwei Jahren nehmen die MitarbeiterInnen der Computerspielschule Leipzig an einem Strategie-Workshop teil. Dabei ist es erforderlich, sich gedanklich aus dem „Tagesgeschäft“ herauszunehmen und mit Abstand die eigene organisationsinternen Ziele und deren Umsetzung zu betrachten sowie Weichen für die zukünftige Entwicklung zu stellen.

Bereits im Vorfeld sollte allen Beteiligten bekannt sein, über welche Themen diskutiert und ggf. basisdemokratisch abgestimmt wird und zu welchen Themen allenfalls Empfehlungen zur weiteren Entscheidung durch die Organisationsleitung entstehen können. Transparente und konsequent praktizierte Führungsstrukturen helfen, Missverständnisse und Enttäuschungen zu vermeiden.


Gemeinsam werden u. a. folgende Themen erarbeitet

  • Der Blick in die Vergangenheit
    • Welche organisationsinternen Ziele gab es?
    • Welche Ziele konnten in den letzten Jahren gut, mit Schwierigkeiten oder gar nicht umgesetzt werden? Weshalb?
  • Der Blick in die Gegenwart
    • das eigene pädagogische Selbstverständnis
    • aktuelle Trends und Entwicklungen (Technik, Spiele, Gesellschaft, Forschung, Medienpädagogik)
  • Der Blick in die Zukunft
    • Bestätigung bzw. Überarbeitung und Priorisierung der organisationsinternen Ziele
    • Welche Ressourcen stehen in den nächsten Jahren zur Verfügung?
    • Welche Ziele können durch welche Aufgaben erreicht werden?
    • Für welche Aufgaben wird externe Unterstützung benötigt?

Der für eine Reflexion notwendige gedankliche Abstand kann organisatorisch unterstützt werden. Es ist hilfreich, den ca. zweitägigen Workshop im räumlichen Abstand zur eigenen Organisation durchzuführen. Es sollten möglichst alle MitarbeiterInnen teilnehmen und gegenseitig wertschätzend ihre Gedanken und Ideen einbringen. Die Erfahrungen zeigen, dass in keiner anderen Veranstaltung mit solch einer Beteiligung, so breit und tief über die eigene Organisation diskutiert wird.

Arbeitsergebnisse

In den durchgeführten Strategie-Workshops haben jeweils nahezu alle MitarbeiterInnen der ComputerSpielSchule Leipzig

  • die bisher gesetzten Ziele und deren Umsetzung reflektiert
  • sich zu aktuellen Trends und Entwicklungen ausgetauscht
  • ihr pädagogisches Selbstverständnis reflektiert und
  • sich an der strategischen Ausrichtung der eigenen Organisation beteiligt.

Es entstanden insbesondere ein

  • überarbeiteter und von allen zugestimmter strategischer Zielplan (einschl. Leitbild und Visionen)
  • überarbeiteter Entwurf der künftigen Aufbau- und Ablauforganisation (einschl. ergänzender Struktur- und Zeitpläne) und ein
  • Protokoll des Workshops (Verlaufsdokumentation).

Die Arbeitsergebnisse wurden allen zur Verfügung gestellt und durch die Organisationsleitung in einem späteren Schritt verdichtet und, falls formell notwendig, beschlossen.

Als Ergebnis der ca. zweijährig durchgeführten Strategie-Workshops entsteht u. a. ein (ggf. überarbeitetes) Leitbild. Dieses ist durch Aushänge und Infomaterialien allen Beteiligten (also intern und extern) bekannt. Es wird insbesondere bei nicht einfachen Entscheidungssituationen als grundlegende Hilfestellung herangezogen.

Das Leitbild der ComputerSpielSchule Leipzig


  • Die ComputerSpielSchule Leipzig hat die Aufgabe, Medienkompetenz bei Heranwachsenden und Erwachsenen zu fördern und Eltern sowie pädagogisch Verantwortliche bei der Medienerziehung zu unterstützen. Um diese Ziele umzusetzen, werden Fortbildungen und Beratungen für Lehrende und andere pädagogisch Verantwortliche durchgeführt, insbesondere über die Belange des Jugendmedienschutzes.
  • Zudem wird dies besonders durch Bildungsveranstaltungen über digitale Medienwelten, unter besonderer Berücksichtigung des Blickwinkels der Medienkonvergenz, verwirklicht. Der Schwerpunkt hierbei liegt auf der Entwicklung von Medienkompetenz als Handlungs- und Reflexionskompetenz bei Heranwachsenden, Erziehenden, PädagogInnen und MultiplikatorInnen, um potenzielle generationsspezifische Barrieren zu überwinden sowie Chancen und Risiken in Bezug auf Computerspiele aufzuzeigen.
  • Auf der Grundlage bereits entwickelter Konzepte werden zielgruppenspezifische Projekte und Workshops mit Heranwachsenden durchgeführt, um deren Medienkompetenz zu stärken (zu fördern).
  • Die ComputerSpielSchule Leipzig führt auf der Grundlage dieser Konzepte Fortbildungen für ErzieherInnen, LehrerInnen, PädagogInnen in der Kinder‐ und Jugendarbeit, sowie weiterer MultiplikatorInnen in der pädagogischen Arbeit durch. Ziel ist es, den Teilnehmenden einen Einblick in die Welt der Computerspiele zu bieten und sie mit dem Medium vertraut zu machen, indem themenspezifisches Wissen vermittelt wird und Computerspiele praktisch ausprobiert werden. Das persönliche Erleben von Spielsituationen ist dabei entscheidend und wichtiger Bestandteil jeder Fortbildung.
  • Außerdem führt die ComputerSpielSchule Leipzig Bildungsveranstaltungen wie Elternabende oder SchülerInnenworkshops durch, um über computerspielbezogene Themen, aber auch zu weiterführenden Aspekten des Medienhandelns zu vermitteln und zu sensibilisieren.
  • Die tägliche Arbeit der ComputerSpielSchule liegt in der medienpädagogischen Beratung für Heranwachsende, deren Eltern und PädagogInnen. Ziel ist dabei die Förderung eines kompetenten und selbstbestimmten Umgangs mit Spielen – sowohl bei Spielenden als auch bei Nicht-Spielenden. Beide Seiten sollen zusammengeführt werden, ins Gespräch gebracht werden und zum gemeinsamen Spielen angeleitet werden. Die ComputerSpielSchule bietet einen Erfahrungs- und Handlungsraum für einen Dialog der Generationen.
  • Die ComputerSpielSchule Leipzig arbeitet eng mit Instituten und Einrichtungen von Hochschulen sowie medienpädagogischen Institutionen zusammen. Viele Angebote der ComputerSpielSchule werden wissenschaftlich begleitet und sind Forschungsgrundlage unter anderem für die Arbeit vor Ort. So werden zum Beispiel aktuelle Kenntnisse über Angebotsstrukturen und Spezifika des Spielehandelns Heranwachsender gewonnen. Auf dieser Basis wiederum werden Potenziale für die medienpädagogische Praxis und neue Fortbildungsangebote entwickelt.
  • Die ComputerSpielSchule Leipzig gibt WissenschaftlerInnen und ForscherInnen die Gelegenheit, wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Gebiet des Medienkompetenzerwerbs, der (handlungsorientierten) Medienpädagogik sowie der intergenerationellen Zusammenarbeit zu gewinnen, die dann der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden sollen.

Weiterbildungen für MitarbeiterInnen

Die MitarbeiterInnen der ComputerSpielSchule Leipzig nehmen regelmäßig und mindestens einmal im Jahr an einer fachspezifischen internen oder externen Weiterbildung teil.

Themen (Beispiele):

  • Lehrveranstaltungen planen und durchführen
  • Awareness-Training für pädagogisch-didaktische Situationen und Handlungen
  • Präsentationstraining

Awareness-Trainings – Bewusstseins-Trainings


Die MitarbeiterInnen der ComputerSpielSchule Leipzig benötigen ein ausgeprägtes Bewusstsein für z. T. unscheinbare Zusammenhänge und Bedingungen von pädagogisch-didaktischen Situationen und Handlungen. Z. B.: Wie ist mit einer Vielzahl Unterstützung suchender Personen umzugehen? Worauf sollte bei der Lösung technischer Probleme geachtet werden? Wann und wie sind notwendige, aber für die BesucherInnen ggf. nicht nachvollziehbare Handlungen zu begründen?
 siehe auch: Didaktische Prinzipien (PDF-Dokument)

Fehlendes Situations-Bewusstsein kann zu unangemessenen, erhöhtes Bewusstsein (Awareness) zu angemessenen medienkompetenzförderlichen Handlungen führen. Awareness-Training ist kein Einüben von Handlungsroutinen oder die Vorbereitung auf klar vorhersehbare Ereignisse. Es beabsichtigt vielmehr eine mental-kognitive Einstellungsänderung, die dazu führt, dass Wahrnehmungsreize, die unter normalen Umständen ausgeblendet würden, einer erhöhten Prüfung unterzogen werden.

siehe auch: Exposé Awareness-Training (PDF-Dokument)


Zusammenarbeit mit Lehre und Forschung

Die ComputerSpielSchule Leipzig arbeitet von Beginn an mit verschiedenen Hochschulen zusammen. In diesem Kontext werden Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekte durchgeführt und Qualifikationsarbeiten erstellt. Medienpädagogische Konzepte und Methoden werden durch die wissenschaftliche Begleitung der CSL evaluiert und reflektiert. Der regelmäßige Wissens- und Erfahrungsaustausch fördert die Theorie-Praxis-Verschränkung aller Beteiligten. Besonders intensive Bezüge gibt es zur Lehre und Forschung an der Universität Leipzig.

Verzahnung der ComputerSpielSchule Leipzig mit Hochschulen (Beispiele):

  • Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekte der Hochschulen werden z. T. in der CSL bzw. mit deren Beteiligung durchgeführt
  • MitarbeiterInnen der CSL leiten eigens für Hochschul-Lehrende und Studierende erstellte Lehrveranstaltungen
  • Hochschul-Lehrende leiten eigens für MitarbeiterInnen der CSL erstellte Lehrveranstaltungen
  • Hochschul-Lehrende und Studierende sind gleichzeitig MitarbeiterInnen der ComputerSpielSchule Leipzig

Lehrveranstaltungen mit inhaltlichen Bezügen zur ComputerSpielSchule Leipzig (Beispiele):

  • Jugendmedienschutz - Theorie und Praxis
 Dorothea Rosenberger (Universität Leipzig)
  • Game-Based Learning and Video Games
Robert Aust, Michael Nitsche M. A. (Universität Leipzig), Johannes Pelka
(ComputerSpielSchule Leipzig)
  • Psychologische Aspekte des Computerspielens 
Falk Dietrich M. A. (Universität Leipzig)
  • Computerspielsimulationen zur Förderung der Problemlösungskompetenzentwicklung
 Falk Dietrich M. A. (Universität Leipzig)
  • Medienpsychologie 
Falk Dietrich M. A. (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig)

Qualifikationsarbeiten mit inhaltlichen Bezügen zur ComputerSpielSchule Leipzig (Beispiele)

  • Aneignung von historischen Inhalten populärer Computerspiele durch Jugendliche
 Steffen Hensche; Magisterarbeit
(Universität Leipzig)
  • Medienpädagogisches Arbeiten auf der Games Convention Family – 
Die pädagogisch-didaktische Unterstützung von Medienkompetenzentwicklung. Eine Untersuchung zur Schaffung von Arbeitsmaterial für ein Awareness-Training. Ein Beitrag für mehr Multiperspektivität.
 Hendrik Löwe, Falk Dietrich; Magisterarbeit
(Universität Leipzig)

Verzahnung mit Lehre und Forschung (Beispiel)


Im Rahmen der Qualifikationsarbeit von LÖWE und DIETRICH wurde die medienpädagogische Arbeit auf der Messe „Games Convention Family“ untersucht. Der Verwertungszusammenhang war von Anbeginn auf die Gewinnung von Arbeitsmaterial für spätere Weiterbildungen der MitarbeiterInnen der ComputerSpielSchule Leipzig ausgerichtet. In internen Weiterbildungen wurde z. B. mehrfach auf die in der Arbeit aufgestellten Kerngedanken und Leitsätze zur Umsetzung didaktischer Prinzipien Bezug genommen. 
 siehe auch: Didaktische Prinzipien (PDF-Dokument)


Das in der Arbeit angekündigte „Awareness-Training“ wurde in den folgenden Jahren mit Anpassungen mehrfach durchgeführt. In internen Weiterbildungen wurde mehrfach auf das entstandene Material zurückgegriffen

siehe auch: Exposé Awareness-Training (PDF-Dokument)


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